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Factoring-Lexikon

Kontokorrentkredit

Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto, den dein Betrieb bis zu einer vereinbarten Grenze flexibel nutzen kann. Zinsen zahlst du nur für den Betrag und die Tage, die du ihn tatsächlich in Anspruch nimmst.

  • Erklärt von Rene van Laer

Der Kontokorrentkredit ist der Dispo für Unternehmen und in vielen Betrieben der Puffer für den Alltag. Er überbrückt die Zeit zwischen Vorleistung und Zahlungseingang: Material und Löhne gehen raus, das Geld vom Kunden kommt Wochen später.

Wie funktioniert ein Kontokorrentkredit?

  • Kreditrahmen: Die Bank legt eine Obergrenze fest, bis zu der dein Konto ins Minus gehen darf.
  • Flexibel: Jeder Zahlungseingang senkt den genutzten Betrag sofort, jede Ausgabe erhöht ihn.
  • Zinsen: Sie werden auf den tatsächlich genutzten Betrag berechnet und meist quartalsweise belastet. Gehst du über den Rahmen hinaus, wird es in der Regel deutlich teurer.
  • Laufzeit: Der Rahmen wird meist bis auf Weiteres eingeräumt. Die Bank prüft regelmäßig deine Zahlen und kann ihn anpassen oder kündigen.
  • Sicherheiten: Banken verlangen oft Sicherheiten, zum Beispiel die Abtretung deiner Kundenforderungen.

Wie rechnest du die Zinsen?

Die Formel lautet: genutzter Betrag × Zinssatz × Tage ÷ 365. Manche Banken rechnen mit 360 Tagen; was für dich gilt, steht im Kreditvertrag.

Rechenbeispiel mit einem angenommenen Zinssatz von 9 % pro Jahr (deinen Satz nennt dir deine Bank): Ein SHK-Betrieb nutzt im Schnitt 50.000 € seines Rahmens. 50.000 € × 9 % = 4.500 € Zinsen im Jahr, rund 375 € im Monat.

Lohnend kann der Kredit beim Skonto sein. Der Großhändler bietet 2 % Skonto bei Zahlung in 10 statt 30 Tagen. Auf eine Materialrechnung über 10.000 € sparst du 200 €. Finanzierst du die 9.800 € dafür 20 Tage über das Konto, kostet das bei 9 % rund 48 € Zinsen (9.800 € × 9 % × 20 ÷ 365). Es bleiben rund 152 € Vorteil. Auf das Jahr gerechnet entspricht Skonto zu diesen Bedingungen einem Zinssatz von rund 36,7 %. Mehr dazu im Ratgeber Skonto beim Großhandel ziehen.

Wie groß muss der Rahmen sein?

Eine grobe Antwort liefert die Formel: Jahresumsatz × Wartezeit in Tagen ÷ 365. Bei 700.000 € Umsatz und 40 Tagen Forderungslaufzeit liegen rund 76.700 € bei deinen Kunden (700.000 € × 40 ÷ 365). Dazu kommen Vorleistungen für laufende Aufträge. Reicht der Rahmen dafür nicht, stockt der Betrieb, obwohl die Auftragsbücher voll sind.

Kontokorrentkredit und Factoring

Der Kontokorrentkredit finanziert die Wartezeit mit Schulden, die mit jedem Auftrag wachsen können. Beim echten Factoring verkaufst du die Rechnung; rechtlich ist das ein Forderungskauf und kein Kredit. Das Geld kommt 48 Stunden nach dem Einreichen, und der Forderungsausfallschutz ist inklusive. Beides schließt sich nicht aus: Factoring für die Rechnungen, der Rahmen als Reserve. Den Vergleich findest du im Ratgeber Factoring oder Kontokorrentkredit. Wie du den Bedarf übers Jahr planst, zeigt der Ratgeber Liquiditätsplanung.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kontokorrentkredit und Dispo?

Im Prinzip keiner: Beide sind ein Kreditrahmen auf dem laufenden Konto. Von Dispo spricht man meist beim Privatkonto, von Kontokorrentkredit beim Geschäftskonto. Die Bedingungen handelst du mit deiner Bank aus.

Kann die Bank meinen Kontokorrentkredit kündigen?

In der Regel ja, denn der Rahmen wird meist bis auf Weiteres eingeräumt. Verschlechtern sich deine Zahlen, kann die Bank ihn kürzen oder kündigen, oft genau dann, wenn du ihn dringend brauchst. Plane deshalb eine Reserve ein und sprich früh mit deiner Bank.

Kann Factoring meinen Kontokorrentkredit entlasten?

Ja. Wenn deine Rechnungen 48 Stunden nach dem Einreichen bezahlt werden, musst du die Wartezeit nicht mehr über das Konto finanzieren. Ob sich das für deinen Betrieb rechnet, schaut Rene im Strategiegespräch ehrlich mit dir an.