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Ratgeber · Liquidität & Zahlungsziele

Factoring oder Kontokorrentkredit? Der Vergleich für Handwerksbetriebe

Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto: Die Bank legt die Grenze fest, du zahlst Zinsen auf den genutzten Betrag. Echtes Factoring ist dagegen kein Kredit, sondern der Verkauf deiner Rechnungen, inklusive Ausfallschutz. Das verfügbare Geld wächst mit deinem Umsatz. Entsteht der Liquiditätsengpass durch lange Zahlungsziele, setzt Factoring an der Ursache an, der Kontokorrentkredit bleibt als Puffer sinnvoll.

  • Von Rene van Laer
  • 7 Min. Lesezeit
  • Aktualisiert am 31. Oktober 2026

Warum volle Auftragsbücher in einen Liquiditätsengpass führen können

Ein Liquiditätsengpass hat im Handwerk selten mit schlechter Arbeit zu tun. Meist ist es umgekehrt: Die Auftragsbücher sind voll, die Leute ausgelastet, und trotzdem wird das Konto zum Monatsende knapp. Der Grund ist die Reihenfolge. Material, Löhne, Gerüst und Diesel bezahlst du sofort. Das Geld für die erledigte Arbeit kommt Wochen später.

Wie viel Geld so bei deinen Kunden liegt, zeigt eine einfache Formel: Jahresumsatz × durchschnittliche Wartezeit in Tagen ÷ 365. Das Problem wächst mit dem Betrieb. Je mehr Aufträge, desto mehr Vorleistung und desto mehr Geld steckt in offenen Rechnungen.

Ein Einzelfall ist das nicht. Im ersten Halbjahr 2026 räumten Lieferanten ihren Kunden laut Creditreform im Schnitt 32,21 Tage Zahlungsziel ein, der höchste Stand seit 2019. Und im European Payment Report 2026 von Intrum sagen 70 % der befragten Unternehmen in Deutschland, dass sie ihre eigenen Rechnungen zu spät bezahlen, weil ihre Kunden zu spät zahlen.

Gegen diese Lücke gibt es drei typische Werkzeuge: den Kontokorrentkredit, den Betriebsmittelkredit und Factoring. Sie wirken sehr unterschiedlich.

Wie funktioniert ein Kontokorrentkredit?

Der Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen auf deinem Geschäftskonto. Die Bank räumt dir eine Grenze ein, bis zu der du ins Minus gehen darfst. Zinsen zahlst du nur auf den Betrag, den du tatsächlich nutzt, und nur für die Tage, an denen du ihn nutzt. Jeder Zahlungseingang senkt den Saldo wieder.

Das macht ihn flexibel und bequem. Er hat aber drei Eigenschaften, die im Handwerk schnell zum Problem werden:

  • Die Grenze ist fest: Die Bank legt sie nach deinen Zahlen und Sicherheiten fest. Wächst dein Betrieb, wächst die Linie nicht von selbst mit. Mehr Rahmen heißt neu verhandeln.
  • Das Risiko bleibt bei dir: Fällt ein Kunde aus, fehlt das Geld trotzdem. Der Kredit läuft weiter, die Zinsen auch.
  • Die Bank kann nachsteuern: Eine Kreditlinie ohne feste Laufzeit kann die Bank je nach Vertrag anpassen oder kündigen. Verschlechtern sich deine Zahlen, kann der Rahmen genau dann kleiner werden, wenn du ihn am dringendsten brauchst.

Überziehst du über die eingeräumte Linie hinaus, wird es in der Regel noch teurer. Der Kontokorrentkredit ist deshalb ein guter Puffer für Spitzen, aber eine teure Dauerlösung für ein Problem, das jeden Monat wiederkommt.

Und der Betriebsmittelkredit?

Der Betriebsmittelkredit ist ein Darlehen mit fester Summe und fester Laufzeit. Er ist gedacht für laufende Ausgaben wie Material und Löhne oder für die Vorfinanzierung eines großen Auftrags. Die Bank zahlt den Betrag aus, du zahlst Zinsen auf das ausgezahlte Geld und tilgst nach Plan.

Für einen einmaligen, gut planbaren Bedarf ist das sinnvoll, etwa für den Saisonstart im Garten- und Landschaftsbau oder einen Auftrag mit viel Material. Für dauerhaft lange Zahlungsziele passt er schlechter: Ist das Geld verbraucht, stehst du wieder am Anfang, nur mit Schulden. Wie beim Kontokorrentkredit prüft die Bank vorher deine Bonität und verlangt oft Sicherheiten.

Wie sich Factoring davon unterscheidet

Factoring ist kein Kredit, jedenfalls nicht in seiner echten Form. Beim echten Factoring verkaufst du deine Rechnungen. Rechtlich ist das ein Forderungskauf, für den das Kaufrecht entsprechend gilt (§ 453 BGB). Du bekommst Geld für Arbeit, die du schon erledigt hast, und musst nichts zurückzahlen. Dein Kunde zahlt später an den Factor.

Daraus ergeben sich andere Eigenschaften als beim Kredit:

  • Das Geld wächst mit: Jede neue Rechnung bringt neues Geld. Mehr Aufträge bedeuten mehr Liquidität, ohne dass du einen Rahmen neu verhandeln musst.
  • Das Ausfallrisiko wandert: Beim echten Factoring trägt der Factor das Risiko, dass dein Kunde nicht zahlen kann. Bei Rene van Laer ist der Forderungsausfallschutz inklusive: Wenn dein Kunde nicht zahlt, dann zahlen wir.
  • Die Arbeit drumherum fällt weg: Den Rechnungsversand und das Mahnwesen übernehmen wir. Die Rechnung lädst du in rund zwei Minuten im Onlineportal hoch.
  • Der Zeitpunkt ist planbar: Das Geld ist 48 Stunden nach dem Einreichen auf deinem Konto, unabhängig davon, wann dein Kunde zahlt.

Vorsicht beim unechten Factoring: Dort darf der Factor auf dich zurückgreifen, wenn dein Kunde ausfällt. Der Bundesgerichtshof wertet das als Kreditgeschäft (Urteil vom 14.10.1981, VIII ZR 149/80). Wer Angebote vergleicht, sollte also genau hinsehen. Den Unterschied erklärt der Ratgeber echtes und unechtes Factoring.

Factoring hat auch eine Grenze, die du kennen solltest: Es macht Geld aus Rechnungen für erledigte Arbeit. Material für einen Auftrag, der noch nicht begonnen hat, finanziert es nicht direkt. Dafür sorgen Abschläge, ein Puffer auf dem Konto oder die Rechnungen der letzten Aufträge, die dank Factoring schon bezahlt sind.

Kontokorrentkredit, Betriebsmittelkredit und Factoring im direkten Vergleich

  • Was ist es? Kontokorrentkredit: Kreditrahmen auf dem Konto. Betriebsmittelkredit: Darlehen mit fester Summe. Factoring: Verkauf deiner Rechnungen.
  • Wie viel Geld steht bereit? Kontokorrentkredit: bis zur Grenze der Bank. Betriebsmittelkredit: die vereinbarte Summe. Factoring: so viel, wie du über Factoring abrechnest.
  • Musst du zurückzahlen? Kontokorrentkredit: ja, über deine Zahlungseingänge. Betriebsmittelkredit: ja, nach Tilgungsplan. Echtes Factoring: nein, dein Kunde zahlt an den Factor.
  • Was passiert, wenn ein Kunde ausfällt? Bei beiden Krediten trägst du den Verlust allein. Beim echten Factoring greift der Ausfallschutz.
  • Wer mahnt? Bei beiden Krediten du selbst. Beim Factoring das Factoring-Team.
  • Wofür ist es gedacht? Kontokorrentkredit: Puffer für Schwankungen. Betriebsmittelkredit: einmaliger, planbarer Bedarf. Factoring: dauerhaft lange Zahlungsziele und Wachstum.

Rechenbeispiel: Wann der Rahmen nicht mehr reicht

Rechenbeispiel (ausgedacht): Eine Zimmerei mit 750.000 € Jahresumsatz arbeitet viel für Bauträger und Generalunternehmer. Im Schnitt vergehen 48 Tage, bis eine Rechnung bezahlt ist. Die Hausbank hat einen Kontokorrentkredit über 50.000 € eingeräumt.

  • Geld, das im Schnitt bei Kunden liegt: 750.000 € × 48 ÷ 365 = 98.630 €
  • Davon deckt der Kreditrahmen 50.000 €. Es bleibt eine Lücke von 48.630 €, die über verschobene Lieferantenzahlungen oder Überziehung gestopft wird.
  • Mit Geld 48 Stunden nach dem Einreichen: 750.000 € × 2 ÷ 365 = 4.110 €. Rund 94.500 € stehen früher zur Verfügung, der Kreditrahmen bleibt frei.

Dazu kommt das Skonto. Kauft die Zimmerei im Jahr für 210.000 € Holz und Beschläge ein und zieht 2 % Skonto, sind das 4.200 € im Jahr. Wer dafür keinen Spielraum hat, verschenkt mehr, als es scheint: 2 % Skonto bei 10 statt 30 Tagen Zahlungsziel entsprechen nach der kaufmännischen Formel einem Jahreszins von rund 36,7 % (2 ÷ 98 × 360 ÷ 20). Mehr dazu im Ratgeber Skonto ziehen. Wie die Lage im Holzbau aussieht, zeigt die Seite Factoring für Zimmereien und Holzbau.

Was du den Kosten gegenüberstellen solltest

Was Factoring kostet, hängt von deinem Betrieb ab: von Umsatz, Kunden und Rechnungsgrößen. Pauschale Zahlen helfen dir deshalb nicht weiter. Rene rechnet das im kostenlosen Erstgespräch für deinen Betrieb durch. Für einen fairen Vergleich solltest du diese Posten auf die andere Seite der Rechnung schreiben:

  • Zinsen auf den ausgereizten Kontokorrentkredit und Aufschläge für Überziehungen
  • entgangenes Skonto beim Großhandel
  • Zeit fürs Mahnwesen: Stunden für Erinnerungen, Mahnungen und Telefonate, oft nach Feierabend
  • Zahlungsausfälle: Ein ausgefallener Betrag muss über zusätzlichen Umsatz wieder hereingeholt werden. Wie viel das ist, zeigt der Ratgeber Was ein Zahlungsausfall kostet.
  • abgesagte Aufträge, weil das Geld für die Vorleistung fehlte

Oft ist eine Kombination sinnvoll

Factoring und Kontokorrentkredit schließen sich nicht aus. Sinnvoll ist oft beides: Factoring für den Alltag, damit Rechnungen nicht wochenlang Geld binden, und der Kreditrahmen als Reserve für Unvorhergesehenes, etwa eine kaputte Maschine oder einen Auftrag mit hoher Materialvorleistung. Wie du deinen Geldbedarf über die nächsten Monate planst, steht im Ratgeber Liquiditätsplanung.

Einen Punkt solltest du vorher klären: Manche Banken lassen sich als Sicherheit für den Kredit die Forderungen des Betriebs abtreten, etwa per Globalzession. Eine Forderung kann aber nicht zweimal mit Vorrang abgetreten werden, in der Regel gilt die zeitliche Reihenfolge. Schau deshalb in deinen Kreditvertrag und bring ihn zum Strategiegespräch mit.

Welche Lösung passt zu deinem Engpass?

  • Das Konto ist knapp, obwohl genug Rechnungen offen sind: Factoring setzt an der Ursache an.
  • Ein großer Auftrag braucht viel Material, bevor die erste Rechnung geschrieben ist: Abschlagszahlungen vereinbaren (§ 632a BGB) und für die Spitze den Kreditrahmen nutzen. Mehr im Ratgeber Abschlagsrechnung.
  • Die Saison verlangt einmal im Jahr eine große Vorfinanzierung: Ein Betriebsmittelkredit kann passen, Factoring hält die übrigen Monate flüssig.
  • Ein Großkunde wackelt: Ein Kredit verschiebt das Problem nur. Die Bonitätsampel vor dem Angebot und der Ausfallschutz schützen dich wirklich.

Factoring lohnt sich ab etwa 150.000 € Jahresumsatz. Ob alle oder nur einzelne Rechnungen darüber laufen, klärt Rene individuell im Strategiegespräch. Den Termin vereinbarst du über das Kontaktformular oder unter 0160 96971320.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Ist Factoring teurer als ein Kontokorrentkredit?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, weil Factoring mehr enthält als Geld: Ausfallschutz, Rechnungsversand und Mahnwesen sind dabei. Was es in deinem Fall ausmacht, hängt von Umsatz, Kunden und Rechnungsgrößen ab, und Rene rechnet es im kostenlosen Erstgespräch durch. Stell dem die Zinsen für den Dispo, entgangenes Skonto und deine Zeit fürs Mahnen gegenüber.

Muss meine Bank zustimmen, wenn ich Factoring nutze?

Das hängt von deinem Kreditvertrag ab. Hat sich die Bank deine Forderungen als Sicherheit abtreten lassen, muss das vor dem Start geklärt werden, denn eine Forderung lässt sich nicht zweimal mit Vorrang abtreten. Bring den Vertrag am besten zum Strategiegespräch mit.

Wann ist ein Betriebsmittelkredit besser als Factoring?

Wenn du einen einmaligen, gut planbaren Geldbedarf hast, bevor überhaupt eine Rechnung geschrieben ist, etwa für den Saisonstart oder das Material eines großen Auftrags. Factoring hilft erst, wenn Rechnungen da sind. Bei dauerhaft langen Zahlungszielen löst ein Kredit das Problem dagegen nicht, er verschiebt es nur.

Kann ich mit Factoring einen Großauftrag vorfinanzieren?

Nur indirekt. Factoring verwandelt Rechnungen für erledigte Arbeit in Geld, keine künftigen Aufträge. Es sorgt aber dafür, dass die Rechnungen deiner laufenden Aufträge schon bezahlt sind, wenn du das Material für den nächsten bestellst. Bei längeren Aufträgen helfen zusätzlich Abschlagszahlungen.

Ab welchem Umsatz lohnt sich Factoring statt Dispo?

Factoring lohnt sich ab etwa 150.000 € Jahresumsatz. Wichtiger als der Umsatz allein ist, wie viel Geld dauerhaft in offenen Rechnungen steckt. Das rechnest du mit Jahresumsatz × Wartezeit in Tagen ÷ 365 aus.