Factoring-Anbieter auswählen: Checkliste für Handwerksbetriebe
Einen guten Factoring-Anbieter erkennst du an wenigen Punkten: Er hat die Erlaubnis der BaFin, die seit 2008 Pflicht ist, übernimmt beim echten Factoring das Ausfallrisiko, nennt eine feste Auszahlungszeit und legt alle Kosten schriftlich offen. Außerdem erklärt er klar, was bei Mängeln, Einbehalten und Abschlagsrechnungen passiert. Dazu kommen faire Vertragslaufzeit, Mindestumsatz und ein persönlicher Ansprechpartner.
Warum sich der Vergleich lohnt
Factoring-Anbieter gibt es viele, und sie unterscheiden sich stärker, als die Werbung vermuten lässt. Allein im Deutschen Factoring-Verband sind 47 Unternehmen organisiert. Dazu kommen Banken mit eigenen Angeboten und Vermittler, die Verträge an Partner weitergeben. Der Unterschied liegt selten im Grundprinzip, sondern im Kleingedruckten: Wer trägt das Risiko, wann kommt das Geld, was passiert bei Streit mit dem Kunden?
Für Handwerksbetriebe kommen eigene Fragen dazu, die in vielen Standardangeboten nicht vorkommen: Abnahme, Prüffristen, Abschlagsrechnungen, Sicherheitseinbehalte. Diese Checkliste ist neutral. Sie hilft dir, jedes Factoring-Unternehmen mit denselben Fragen zu prüfen, auch uns. Nimm sie mit ins Gespräch und hake ab, was beantwortet ist.
Die Checkliste: 14 Fragen an jeden Factoring-Anbieter
Sicherheit und Seriosität
- Frage 1: Hat der Anbieter eine Erlaubnis der BaFin? Factoring ist eine Finanzdienstleistung. Wer sie gewerbsmäßig anbietet, braucht seit dem 25. Dezember 2008 eine Erlaubnis und steht unter Aufsicht (§ 32 KWG). Sprichst du mit einem Vermittler, frag zusätzlich, wer am Ende dein Vertragspartner ist und unter welcher Erlaubnis dieser arbeitet.
- Frage 2: Echtes oder unechtes Factoring? Beim echten Factoring trägt der Factor das Risiko, dass dein Kunde nicht zahlen kann. Beim unechten Factoring darf er dir ausgefallene Rechnungen zurückbelasten, der Bundesgerichtshof sieht darin ein Kreditgeschäft. Für einen Betrieb, der viel für Generalunternehmer und Bauträger arbeitet, ist das der wichtigste Unterschied überhaupt. Was er für dich bedeutet, erklärt der Ratgeber echtes und unechtes Factoring.
- Frage 3: Was genau deckt der Ausfallschutz ab? Lass dir zeigen, ab wann eine Forderung als ausgefallen gilt. Und frag nach dem Bestand der Forderung: Kürzt dein Kunde zu Recht wegen eines Mangels, ist das in der Regel kein Fall für den Ausfallschutz. Fachleute sprechen von Verität. Ein seriöser Anbieter erklärt dir diese Grenze von sich aus.
Geld und Ablauf
- Frage 4: Wann ist das Geld auf deinem Konto? Eine klare Auszahlungszeit nach dem Einreichen ist die Grundlage jeder Planung. Nur wenn du weißt, wann das Geld kommt, kannst du Material mit Skonto bestellen und Löhne ohne Blick aufs Konto zahlen. Frag auch, ob der Rechnungsbetrag auf einmal ausgezahlt wird oder in Teilen.
- Frage 5: Wie viel Aufwand macht eine Rechnung? Frag, wie du Rechnungen einreichst und wie lange das dauert. Ein Portal, das du auch abends oder vom Handy aus bedienen kannst, spart Zeit. Muss jede Rechnung erst per Post oder mit Zusatzformularen kommen, frisst der Aufwand den Nutzen.
- Frage 6: Wer verschickt die Rechnungen, und wer mahnt? Beim offenen Factoring übernimmt das in der Regel der Factor, beim stillen Factoring bleibt es oft bei dir. Frag auch, in welchem Ton gemahnt wird. Deine Kunden sind deine Kunden, auch wenn die Forderung verkauft ist. Den Unterschied erklärt der Ratgeber offenes oder stilles Factoring.
- Frage 7: Wie werden deine Kunden geprüft? Frag, ob du vor einem Angebot erfährst, ob ein neuer Auftraggeber zahlen kann. Es ist besser, das vor dem Auftrag zu wissen als nach der Rechnung, wenn Material und Löhne schon bezahlt sind.
Vertrag und Kosten
- Frage 8: Gibt es einen Mindestumsatz? Viele Angebote rechnen sich erst ab einer bestimmten Größe. Frag offen, ab wann es sich für deinen Betrieb lohnt, und lass dir die Antwort begründen.
- Frage 9: Wie lange läuft der Vertrag, und wie kommst du raus? Laufzeit, Kündigungsfrist und die Frage, was mit offenen Rechnungen beim Vertragsende passiert, gehören schriftlich auf den Tisch.
- Frage 10: Alle Rechnungen oder nur einzelne? Manche Verträge verlangen, dass du alle Rechnungen einreichst, andere erlauben eine Auswahl. Kläre, was zu deinem Kundenmix passt, etwa wenn du neben Gewerbekunden auch viele kleine Aufträge hast.
- Frage 11: Was kostet es, vollständig und schriftlich? Lass dir jeden Kostenbestandteil aufschlüsseln, bevor du unterschreibst. Frag ausdrücklich, ob für Ausfallschutz, Prüfung deiner Kunden, Mahnwesen oder Vertragsende etwas dazukommt. Eine Zahl, die nur mündlich fällt, ist keine Grundlage.
Handwerk und Bau
- Frage 12: Wie geht der Anbieter mit Bauverträgen um? Frag nach Abschlags- und Schlussrechnungen, nach Prüffristen und nach Sicherheitseinbehalten. Ist die VOB/B vereinbart, werden Abschläge 21 Tage nach Zugang der Aufstellung fällig, die Schlusszahlung spätestens 30 Tage nach Zugang der Schlussrechnung. Ein Anbieter, der das kennt, wundert sich nicht über längere Prüfungen. Mehr zum Einbehalt steht im Ratgeber Sicherheitseinbehalt.
- Frage 13: Was gilt bei Abtretungsverboten und Eigentumsvorbehalten? Manche Auftraggeber schließen die Abtretung in ihren Bedingungen aus. Zwischen Kaufleuten ist sie trotzdem wirksam (§ 354a HGB). Und viele Großhändler liefern unter verlängertem Eigentumsvorbehalt. Beim echten Factoring ist das nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in der Regel kein Hindernis (VIII ZR 169/76), beim unechten gelten strengere Regeln.
- Frage 14: Hast du einen persönlichen Ansprechpartner? Wenn ein Kunde reklamiert oder eine Rechnung hängt, willst du nicht in einer Warteschleife landen. Frag, wer dein fester Kontakt ist und wie du ihn erreichst.
Wie wichtig der letzte Punkt im Alltag ist, beschreibt Baustoffhändler Patrick Otto aus Königswinter-Thomasberg im Video-Interview. Ihm ist wichtig,
„… dass wir einen direkten Ansprechpartner haben, den wir so gut wie rund um die Uhr erreichen können, der sich um unsere Anliegen kümmert und die Sachen schnell erledigt.“
Fünf Begriffe, die in jedem Factoring-Vertrag stehen
- Rahmenvertrag: der Vertrag, der die Zusammenarbeit einmal regelt. Danach reichst du Rechnung für Rechnung ein.
- Abtretung: Die Forderung geht auf den Factor über. Dein Kunde behält dabei seine Einwände, etwa wegen eines Mangels (§ 404 BGB).
- Delkredere: die Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor. Fehlt sie, ist es unechtes Factoring.
- Rückbelastung: Der Factor gibt dir eine Rechnung zurück und holt sich das ausgezahlte Geld wieder. Frag genau, in welchen Fällen das passieren kann.
- Verität: der Bestand der Forderung. Dafür stehst du in der Regel selbst ein.
Warnsignale: Hier solltest du genauer hinsehen
- Die Frage nach der BaFin-Erlaubnis oder dem Vertragspartner wird ausweichend beantwortet.
- Kosten werden nur mündlich genannt oder als „pauschal“ abgetan.
- Du sollst sofort unterschreiben, Bedenkzeit gibt es nicht.
- Den Vertragsentwurf darfst du nicht in Ruhe lesen oder mitnehmen.
- Niemand kann dir erklären, was bei einem Mangel, einem Einbehalt oder einer Teilzahlung passiert.
- Fachbegriffe wie Delkredere oder Rückbelastung fallen, aber keiner erklärt sie.
So vergleichst du Angebote fair
Ein Vergleich ist nur so gut wie seine Grundlage. Gib jedem Anbieter dieselben Zahlen: Jahresumsatz, Zahl der Rechnungen, typische Rechnungsgrößen, die Art deiner Kunden und ihre Zahlungsziele. Dann vergleichst du nicht einzelne Zahlen, sondern das Gesamtpaket:
- Was bekommst du für dein Geld: nur die Auszahlung oder auch Ausfallschutz, Rechnungsversand und Mahnwesen?
- Was sparst du auf der anderen Seite: Zinsen für den Kontokorrentkredit, entgangenes Skonto, Stunden fürs Mahnen, das Risiko eines Ausfalls?
- Wie viel Arbeit bleibt bei dir im Büro?
Wie der Ablauf vom ersten Gespräch bis zur ersten Auszahlung aussehen sollte, zeigt der Ratgeber Factoring-Ablauf.
Wie Rene van Laer diese Fragen beantwortet
Damit du uns an derselben Liste messen kannst, hier unsere Antworten:
- Ausfallschutz: Der Forderungsausfallschutz ist inklusive. Wenn dein Kunde nicht zahlt, dann zahlen wir.
- Auszahlung: Das Geld ist 48 Stunden nach dem Einreichen der Rechnung auf deinem Konto.
- Aufwand: Du lädst die Rechnung im Onlineportal hoch, rund zwei Minuten pro Rechnung.
- Versand und Mahnwesen: Übernehmen wir komplett. Dein Kunde zahlt an ein anderes Konto, mehr ändert sich für ihn nicht.
- Kundenprüfung: Mit der Bonitätsampel siehst du vor dem Angebot, ob ein Auftraggeber zahlen kann: grün, gelb oder rot.
- Mindestumsatz: Factoring lohnt sich ab etwa 150.000 € Jahresumsatz.
- Umfang: Ob alle oder nur einzelne Rechnungen über Factoring laufen, klären wir individuell im Strategiegespräch.
- Kosten: Die hängen von Umsatz, Kunden und Rechnungsgrößen ab. Rene rechnet sie im kostenlosen Erstgespräch mit dir durch.
- Bau: Dazu kommen Bürgschaften, etwa Vertragserfüllungs- und Mängelansprüchebürgschaften, damit kein Sicherheitseinbehalt von 5 bis 10 % im Auftrag hängen bleibt.
- Ansprechpartner: Rene betreut dich persönlich, statt dich an ein Callcenter zu verweisen.
Wer unser Vertragspartner ist und unter welcher Erlaubnis er arbeitet, erfährst du im Gespräch. Stell uns die 14 Fragen gern im kostenlosen Erstgespräch oder telefonisch unter 0160 96971320.
Häufige Fragen
Welche Firmen bieten Factoring an?
Factoring bieten spezialisierte Factoring-Unternehmen an, außerdem Banken mit eigenen Angeboten. Dazu kommen Vermittler, die Verträge an Partner weitergeben. Entscheidend ist nicht der Name, sondern ob dein Vertragspartner eine Erlaubnis der BaFin hat und ob das Angebot zu deinem Betrieb passt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Factoring-Anbieter und einem Vermittler?
Der Anbieter kauft deine Rechnungen und braucht dafür eine Erlaubnis der BaFin. Ein Vermittler bringt dich mit einem Anbieter zusammen, den Vertrag schließt du dann mit diesem. Frag deshalb nach, wer am Ende dein Vertragspartner ist.
Woran erkenne ich versteckte Kosten bei einer Factoring-Firma?
Lass dir alle Kostenbestandteile schriftlich und vollständig aufschlüsseln, bevor du unterschreibst. Frag ausdrücklich, ob für Ausfallschutz, Kundenprüfung, Mahnwesen oder Vertragsende etwas dazukommt. Bei Rene van Laer rechnest du das im kostenlosen Erstgespräch mit deinen eigenen Zahlen durch.
Brauche ich einen Factoring-Anbieter, der sich mit dem Bau auskennt?
Wenn du nach VOB/B abrechnest, Abschläge stellst oder mit Einbehalten arbeitest, ja. Ohne Erfahrung im Bau wird schnell übersehen, warum eine Schlussrechnung in der Prüfung hängt oder ein Teil als Sicherheit einbehalten wird. Frag konkret, wie der Anbieter mit Abschlags- und Schlussrechnungen umgeht.
Sollte ich mehrere Factoring-Angebote einholen?
Ein Vergleich schadet nicht. Achte darauf, dass alle Angebote auf denselben Zahlen beruhen: Umsatz, Kunden, Rechnungsgrößen und Zahlungsziele. Nur dann kannst du Leistung und Kosten wirklich nebeneinanderlegen.